Nachlese: Ein Messer entsteht…

Nachlese: Ein Messer entsteht…

Letztes Jahr begann für unsereins der Countdown in Richtung Ruhestand. OK, ein paar wenige Jahre sind es zwar noch, aber der Zähler läuft. 🙁
Meine Freunde schenkten mir anlässlich dieses Ereignisses einen Kurs im Messerschmieden.  So ziemlich mein ganzes Berufsleben lang war ich in der Wartung, Instandhaltung und Entstörung tätig. Das ist zwar auch wichtig, aber dabei entsteht ja nichts wirklich neues, bleibendes. Darüber unterhielt ich mich irgendwann mit der besten aller Ehefrauen und ließ nebenbei durchblicken, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, im nächsten Leben ein Schmied zu werden. Weil der neue Dinge erschaffen kann und das sogar aus Sachen, die andere Leute wegwerfen: Schrott. 😉
So kam es, dass ich zum Geburtstag besagten Kurs im Messerschmieden geschenkt bekam.
Also begab ich mich Mitte November letzten Jahres nach Hohenprießnitz in die Schmiede des Meisters Widdermann.

Der Kurs begann mit einer gemütlichen Tasse Kaffee und der obligatorischen Arbeitsschutzbelehrung. Was muss, das muss. 😉
Danach gab es in der Schmiede erstmal eine grundlegende Einführung in das Thema, nebenbei wurde das Schmiedefeuer angeheizt. Bis zum Mittagessen bestand die erste Aufgabe darin, aus einem Stück Baustahl ein Messer als Übungsstück zu schmieden. Das war gar nicht so einfach. Den Umgang mit dem Stahl und dem Feuer muss man erstmal üben. Ansonsten kann es ganz schnell passieren, dass der Stahl im Feuer einfach wegschmilzt…
Zum Mittag gab es dann erstmal eine ordentliche Mahlzeit. Wer schmieden will, braucht schließlich Kraft und von nix kommt nix!
Anschließend ging es zurück in die Werkstatt und nun wurde es ernst. Jeder von uns (wir waren zu dritt, maximal wären wir vier Teilnehmer gewesen) durfte sich ein Stück Stahl zur weiteren Bearbeitung aussuchen. Zur Auswahl standen zwei alte Feilen und ein Stück einer Blattfeder aus einem alten französischen Bett. Meine zwei Mitstreiter wählten die Feilen und ich nahm die Feder. Was die wohl erzählen würde, wennn sie könnte ;-).

Zunächst ging es darum, aus der Blattfeder grob die Form des Messers herauszuarbeiten. Im unteren Bild sieht man mein Muster (links) und das Ergebnis meiner Schmiedearbeit (rechts).

Ich möchte behaupten, es war ganz gut gelungen. 🙂
Anschließend wurde die Kontur des Messers am Bandschleifer nachgearbeitet und im nächsten Schritt mit dem Schwingschleifer die Oberfläche geglättet und die Schneide des Messers herausgearbeitet.
Als das geschafft war, ging es ans Härten der Klinge.
Inzwischen war der Tag doch schon recht fortgeschritten und da ich das Messer nicht noch beim letzten Schritt, dem Schärfen der Schneide, „versauen“ wollte, überließ ich das dem Meister (meine Mitstreiter übrigens auch…).

 

Der fertig geschliffene Messerrohling (war sehr heiß, die Brandblase am Daumen brauchte zwei Wochen, bis sie wieder weg war).

Gegen 19:00Uhr waren alle Messer quasi einsatzbereit – nur die Griffschalen fehlten noch, die musste jeder zu Hause selbst anfertigen, weil das sonst an einem Tag nicht zu schaffen gewesen wäre.
Aber schweinescharf war das Teil schon!

Einige Tage später begann ich dann auch damit, die Komplettierung meines Messer in Angriff zu nehmen. Zunächst zeichnete ich den Umriss des Messers auf einem Blatt Papier nach. Diese Zeichnung wurde dann digitalisiert und in eine dxf-Datei für meine CNC-Fräse umgewandelt. Aus zwei Nußbaumbrettchen entstanden so ein paar hübsche Griffe.

Und so sieht das fertige Messer nun aus. Einige Minuten Nachdenken brauchte ich, um eine Lösung für die Befestigung der Griffschalen am Messer zu finden. Dabei lag die Lösung ziemlich nah!
Der Schmiedemeister empfahl eigentlich, die Griffschalen am Messer anzukleben, damit sie ordentlich halt bekommen. Ich habe es aber auch ohne Kleber ganz gut hinbekommen.
Vom 3D-Drucken hatte ich so Muttern aus Messing zum Einpressen in die 3D-Druckteile in verschiedenen Größen da und ich dachte mir, was beim 3D-Druck hält, das hält in Holz auch. 
Und so war es dann auch.

Und nun habe ich ein schickes, gut in der Hand liegendes, schweinescharfes Messer :-). Und ich könnte glatt nochmal hin und ein zweites Messer schmieden…

Der Schmiede-Azubi bei der Arbeit… 😉

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