Abschied

Nach fast neun Jahren mussten wir uns leider von einem lieben Familienmitglied verabschieden :(.

Neun Jahre lang begleitete uns unser Tango, ein Australien Shepherd Rüde. Es war nicht immer einfach mit ihm und es hat lange gedauert, bis wir erkannt haben, wie er „tickt“ und uns auf ihn eingestellt hatten.

Weihnachten 2013 kam er im zarten Alter von vier Monaten zu uns. Und nein, er war kein Weihnachtsgeschenk für irgend jemanden.  Er war der letzte Welpe aus seinem Wurf, der noch kein neues zu Hause gefunden hatte. Eigentlich wollten wir ihn nur mal zur Probe mit nach Hause nehmen und schauen, wir er sich mit unserer, damals schon recht betagten Hündin Blitzi verträgt. Das lief so gut, das er gleich bei uns bleiben durfte.
Was mich damals sehr verwundert hat, war, dass er ohne zu zögern mit uns gekommen ist, ohne zu fremdeln mit Schwung ins Auto sprang, als hätte er schon ewig zur Familie gehört und als wäre es das normalste auf der ganzen Welt.

Da war er also. Im Nachhinein gesehen war er ein Traumhund, auch wenn er uns am Anfang ziemlich Stress bereitet hat und wir Unmengen an Geld für Hundetrainer ausgegeben haben. Er war jeden einzelnen Cent wert und wir trauern keinem davon nach.

Was auch immer wir mit ihm veranstaltet haben, er war mit 150 Prozent dabei, ob beim Dogscooter fahren oder beim Mentrailing, er hat sein Ding gemacht und hatte Spaß daran. Von sich aus schnappte er sich den Autoschlüssel, wenn wir nach Hause kamen und trug ihn ins Haus, er brachte die Zeitung rein, trug diverse Gartengeräte von der kleinen Schippe bis zur (leeren) zehn Liter Gießkanne und freute sich wie Bolle, wenn er etwas für uns tun konnte.

Egal, was man von ihm verlangte, er begriff es sofort und tat es, ob er für ein Video eine Tasche tragen sollte oder über ein Brett balancieren, oder, oder, oder… es hat ihm einen Heidenspaß bereitet, mit uns etwas zu tun.

Nur eines konnte er beim besten Willen nicht: außerhalb des Grundstücks „ordentlich“ an der Leine laufen. Immer war irgendetwas zu sehen oder zu untersuchen oder zu regeln. Aber das war auch seine einzige Schwäche und es hat lange gedauert, bis wir uns daran gewöhnt hatten und es so akzeptiert haben.

Und kuscheln wollte er. Am liebsten von früh bis spät. Das forderte er regelmäßig ein und er bekam seine Streicheleinheiten natürlich.

So viele Erinnerungen. Und er fehlt jeden Tag. Es ist keiner mehr da, der am Gartentor wartet, bis man nach der Arbeit nach Hause kommt und sich dann freut, wenn er die Hausschuhe bringen darf. Auch wenn es mitunter die falschen waren… 😉

Drei Jahre später bekam Tango (Blitzi hatte uns inzwischen auch verlassen 🙁 ) eine neue Gefährtin. Vom ihrem ersten bis zu seinem letzten Tag bei uns, durfte sie alles mit ihm machen –  vom Zwicken bis zum Futter klauen. Nicht umsonst bekam sie von uns den Spitznamen „Nervzwerg“ ;-). Gemeinsam waren sie ein Dreamteam. Tango ertug ihre Allüren stoisch. Und jetzt fehlt er ihr auch – keiner mehr da, mit dem sie toben und den sie necken kann.

Irgendwann im Frühjahr bemerkte ich beim Kuscheln eine kleine Beule unter seinem Fell. Am Anfang nahmen wir es nicht so ernst, unsere Hündin hatte das seinerzeit auch und es erwies sich später als ein relativ harmloses Lipom. Auch verschiedene Tierärzte vermuteten nichts gefährliches. Leider ein Irrtum, aber man kann niemandem einen Vorwurf machen. Krebs ist halt ein tückisches Ar***loch. 🙁

Aber das wussten wir damals natürlich noch nicht. Das Ding wurde jedenfalls größer und irgendwann begann unser Dicker, daran zu kratzen und zu knabbern. Das war Anfang Juni.

Wir hatten uns schon vorher in der Tierarztpraxis kundig gemacht, dort war das Problem bekannt und wir vereinbarten natürlich umgehend einen OP-Termin. Die OP verlief gut, aber die Narbe wollte lange nicht abheilen – klaglos ertrug unser Dicker jeden Arztbesuch und er war dort auch bald der Praxisliebling.

Zwischenzeitlich hatten wir auch den Laborbefund bekommen, der uns unendlich traurig machte – ein aggressiver Krebs ohne Chance auf Heilung.

Sechs Wochen nach der OP war die Wunde endlich verheilt und es gab seinem Befinden nach keinen Grund zur akuten Sorge. WIr freuten uns auf eine Woche Urlaub. Doch dann ging es ihm von einem Tag auf den anderen plötzlich viel schlechter und er begann, Blut zu husten. An dem Tag, an dem wir eigentlich in den Urlaub aufbrechen wollten (wir hatten uns am Vorabend schon entschlossen, nicht wegzufahren!).
Das war dann der Punkt, an dem wir uns entschieden haben, ihn nicht leiden zu lassen und ihn über die Regenbogenbrücke ziehen zu lassen. Vorher bekam er natürlich nochmal alles, was er gern hatte. Von
einem Stück Eis bis zu einem Löffel Eierlikör.

So ging er von uns. Ganz ohne Stress und hoffentlich ohne jeden Schmerz auf seinem Lieblingsliegeplatz im Garten. Und nun ist er wieder bei uns und bekommt seine letzte Ruhe direkt neben seinem Lieblingsplatz – direkt bei uns.

Und jetzt kommen jede Menge Erinnerungen an einen Prachtkerl!  Und ich glaube, so einen tollen Hund bekommt man nur einmal im Leben. Er lebt in unseren Herzen weiter.

 

 

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