Unser Wohni… oder auch „Hotel de Carton“

Es war schon seit längerer Zeit ein Traum von mir, so ganz unabhängig von Hotels oder Pensionen eine (vielleicht auch längere) Tour mit dem Rad zu machen und einfach da, wo es schön ist oder die Kraft am Ende ist, zu übernachten. Doch oft ist das nicht so einfach.

Vor einigen Jahren fuhr ich mit ein paar Freunden mit dem Rad von Leipzig aus an die Ostsee. Die Etappenlängen bewegten sich zwischen siebzig und knapp hundert Kilometern. Das war für einen, sonst nur Kurzstrecken gewohnten Radler schon eine echte Herausforderung. Wir übernachteten zwar immer in Hotels oder Pensionen, doch gerade die längeren Strecken im Norden erwiesen sich auch mit „normalen“ Gepäck bei Gegenwind und Temperaturen um die 30°C als recht anstrengend, wo man hart an seine Grenzen kam.

Da hätte man sich manchmal gewünscht, einfach anhalten zu können und den Rest des Tages Pause machen zu können, war ja aber an die schon gebuchten Übernachtungen gebunden. Auch sonst ist die Planung einer längeren Tour mitunter nicht einfach. Zeitlich ist man ja immer an den Urlaub gebunden und in diesen Zeiträumen ist das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten meist knapp. Mit dem Auto ist es kein Problem, nach einer Wanderung auch mal 20km Umweg zum nächsten Hotel zu fahren. Nach einer hundert Kilometer Tour mit dem Rad noch so eine Strecke bis zur Pension zu fahren überlegt man sich aber zweimal.

Also was tun? Zelt mitnehmen? Oder in der nächsten Bushaltestelle schlafen? Ein Zelt ist eher suboptimal, weil man es nicht überall aufstellen darf, der Aufbau dauert und man falls es mal regnet oder feucht in der Nacht ist, warten muss, bis das Ding wieder trocken ist, bevor man es wieder einpacken und weiterfahren kann. Das größere Problem ist vermutlich ersteres. Zelte sind in D in der freien Natur nicht gern gesehen, auch wenn man nur eine Nacht bleibt und außer etwas plattem Gras keine weiteren Spuren hinterlässt. Ok, Zelt also nicht. Aber Bushaltestelle auch nicht. Aus dem Alter bin ich raus.

Beim Stöbern in den weiten des Netzes stieß ich dann auf Seiten von Leuten, die sich für ihr Fahrrad einen Wohnwagen gebaut haben. Tolle Sache und genau das, was ich mir für meine Touren auch wünschen würde. Aber so ein Ding komplett selbst bauen, ist nicht mein Ding. Schon aus Zeitgründen. Außerdem fehlt das Werkzeug und mit meinen zwei linken Händen wäre dann wahrscheinlich das linke Rad größer als das auf der rechten Seite 😉…

WidePathCamper

Irgendwann vor einem Jahr stieß ich dann beim Surfen auf den Wide Path Camper. Einen Wohni fürs Fahrrad. Den Bildern und Videos nach, war das das Ding meiner Träume. Der Preis von dem Ding allerdings sorgte dann eher für Albträume… 😉. Drei wegen Corona ausgefallene Urlaubsreisen später sah das nicht mehr ganz so schlimm aus. Urlaub im heimischen Garten hilft echt beim Sparen… So kam es dann kurz vor dem diesjährigen Osterfest spontan zur Bestellung. So ganz wohl war mir bei der Auslandsbestellung per Vorkasse mit Überweisung allerdings nicht. Im Zweifelsfall wäre die Kohle wohl weg gewesen. Die Befürchtung erwies sich im Nachhinein aber als unbegründet. Drei Wochen später stand ein riesiger Karton auf einer Palette im Hof.

Nach dem Unboxing begann die Testphase im heimischen Garten. Dabei erwies sich die versprochene minimale Aufbauzeit als nicht zu viel versprochen. Fahrrad abstellen und keine drei Minuten später könnte man sich zur Ruhe legen, so man das wollte 😉. Die Frau hätte das gute Stück ja nun am liebsten gleich wieder zusammengeklappt und in die sichere Garage geschoben. Von dieser Idee hielt ich nun aber gar nichts. Und das mit gutem Grund. Ich teste neue Sachen lieber erstmal ausgiebig zu Hause, bevor ich unterwegs auf unangenehme Überraschungen stoße. Und die ließen in Form von leichtem Regen mit etwas Wind auch nicht lange auf sich warten. Als erste Schwachstelle erwies sich die kleine Lücke im Dach, an der die beiden Dachhälften etwas überlappen. Dort drückte der Wind die Regentropfen rein, die sich auf dem Dach gesammelt hatten. Und von da aus tropften sie dann munter auf die Liegefläche. Ergebnis: großer nasser Fleck auf der „Matratze“. Wenn so etwas unterwegs passiert ist das recht unschön und die Nacht ist dann wohl gelaufen.

Einige Klicks beim Onlinedealer später hatte ich selbstklebende Gummidichtungen (eigentlich zur Abdichtung von Autotüren gedacht) geordert. Diese klebte ich von innen relativ dicht ans Ende des Daches und nun läuft das Wasser auf dem Dach an den Dichtgummis entlang nach unten.

Wide Path Camper am Fahrrad

Das nächste Leck betraf die Tür. Der Regen vom Dach lief ziemlich ungehindert herunter und da die Tür über keinerlei Dichtung verfügt, tropfte das Wasser auf der Innenseite der Tür herunter. Hat man den Camper für die Nacht hergerichtet, tropft das Wasser direkt auf den vorderen Teil der Liegefläche. Die „Matratze“ erweist sich dann als dankbarer Abnehmer des Wassers. Auch auf der Seite der Türscharniere ist der Abstand zwischen Tür und Wand so groß, dass das Wasser relativ ungehindert eindringen kann. Auch hier bewirkte der Dichtgummi eine Trockenzeit 😉. Nachdem die Wasserfrage geklärt war, stand der ersten Übernachtung im Wohni nichts mehr im Weg.

Die „einfache“ Matratze (man kann natürlich auch das „Luxury Package“ mit dickerer Auflage kaufen) erwies sich als für meine Gewichtsklasse überraschend bequem. Wenn man sich die relativ dünnen Auflagen anschaut, mag man das kaum glauben.

Inzwischen ist der Sommer vergangen und die erste kleinere Ausfahrt mit dem Wohni liegt hinter mir. Das Wetter war in meinen zwei Urlaubswochen leider nicht so, dass es Spaß gemacht hätte, eine größere Tour zu unternehmen.

Aber die erste Tour über etwa 20km lief perfekt. Und nach weiteren 20km Rückweg stand eine erste Bestandsaufnahme an. Auch hier zeigte sich wieder eine arge Schwachstelle. Das Aluminiumband, das die Türöffnung verstärkt, ist mit Schrauben am Wohni befestigt. Und das sogar mit selbstsichernden Muttern. Nur leider ist die Länge der Schrauben offenbar so knapp bemessen, dass die Sicherung gar nicht richtig greift. Zwei Schrauben samt Muttern waren unterwegs schon abhanden gekommen, der Rest war locker.

Nun habe ich sämtliche Schrauben wieder festgezogen und zusätzlich mit Sicherungslack eingestrichen und hoffe, dass es bei der nächsten Tour keine unangenehmen Überraschungen mehr gibt.

Zwischenzeitlich hat der Hersteller auch ein Update geliefert. Dabei handelte es sich um die fehlenden Rücklichter (batteriebetrieben, mit über Micro-USB aufladbarem Akku) ein paar Reflektoren und eine stärkere Schraube, die an der Bremsanlage des Wohnis getauscht werden muss. Offenbar ist die ursprünglich verbaute Schraube zu knapp dimensioniert.

Nun warte ich darauf, endlich mal eine längere Tour machen zu können. Wenn da nur nicht immer dieses lästige „zur Arbeit gehen müssen“ wäre… 😉

Noch eine kurze Anmerkung: der größte Teil dieses Posts entstand im Mai 2021, mangels Zeit bin ich erst jetzt dazu gekommen, den Beitrag fertig zu stellen.

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