Von Dessau nach Wittenberg auf dem Elberadweg

Wir hatten schon lange mal vor, eine richtig schöne Radtour zu machen. Schon vor dem Sommerurlaub hatte ich verschiedene Routen ausgesucht und wir entschieden uns für eine Tour entlang der Elbe. Der Urlaub kam, nur der Sommer ließ auf sich warten. Entweder war es zu heiß oder es regnete… Die Zeit verging und es drohte Weihnachten zu werden, ohne das wir unsere geplante Tour gefahren wären.

Am Freitag sah es nun endlich so aus, als könnte man es am Sonnabend endlich riskieren. Der Wetterbericht sagte passendes Wetter voraus und so checkte ich die restlichen Variablen (Zugfahrzeiten, Track für den Radweg, Caches an der Strecke ;-)). Alles passte.

Kurz vor 8:30Uhr starten wir mit unseren Rädern gen Bahnhof Taucha. Fahrkarten hatte ich schon organisiert, so blieb die einzige Unbekannte die Transportkapazität der Bahn in Sachen Fahrräder. Wir hatten es nämlich schon erlebt, dass mit dem Rad kein Fortkommen mit dem Zug war. Diesmal hatten wir mehr Glück. Aber der Zugbegleiter meinte, dass man das durchaus als Glück bezeichnen konnte. Er sagte, dass es nur deshalb so leer war, weil ein Zug aus Richtung Berlin den Anschluß nicht geschafft hätte. Ansonsten wäre im Fahrradabteil kaum ein Platz frei gewesen…

Neun Minuten später erreichten wir pünktlich den Leipziger Hauptbahnhof und unser Anschlußzug nach Dessau wartete schon am Bahnsteig gegenüber. Die Umsteigezeit war nicht sehr üppig, deshalb flitzen wir zum erstbesten Wagen der zweiten Klasse und wuchteten unsere Räder hinein. Als wir dann im Zug saßen, bemerkten wir, dass die Tür auf der anderen Wagenseite mit zwei Schildern als „nicht benutzbar“ gekennzeichnet war. Wenn man ohne Fahrräder unterwegs ist, ist das zwar ärgerlich, aber kein Problem. Die Haltestellen und die Ausstiegsseite werden in der Regel ja rechtzeitig angesagt.

Ist man mit dem Rad unterwegs, kann so eine Kleinigkeit aber schon zum Problem werden. Ich mag mir nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn wir uns mit unseren Rädern durch einen vollen Zug zum anderen Wagenende hätten durchquälen müssen… Im Zweifelsfall kommt man dann doch nicht rechtzeitig zur Tür.

Nochmal aussteigen und den Wagen wechseln kam wegen der kurzen Zeit bis zur Abfahrt nicht infrage. Der Zug fuhr ohnehin nur bis Dessau und dort würden wir schon irgendwie zu einer funktionierenden Tür finden…



Mit ein paar Minuten Verspätung trafen wir kurz nach 10:00Uhr in Dessau ein und nach einer kurzen Orientierungsphase starteten wir unsere Tour. Zunächst ging es ein Stück durch Dessau in Richtung Roßlau. Beim heutigen Blick auf die Trackaufzeichnung fiel mir auf, dass der Track, den ich von www.gpsies.com geladen hatte, nicht die kürzeste Strecke zum Elberadweg zeigte. Macht aber nichts, da wir ja was sehen wollten und außerdem kam ich so noch zu ein paar Dosenfunden :).
Im weiteren Verlauf (ab Wörlitz) führte der Track auch nicht mehr über den „offiziellen“ ausgeschilderten Elberadweg – dazu aber später mehr.

Am Dessauer Ortsausgang gab es dann die erste Abweichung des Tracks vom offiziellen Radweg. Solltet Ihr unsere Runde nachfahren wollen, dann folgt der Beschilderung und biegt an der Kleingartenanlage „Braunsche Lache“ ab. Wir sind dem Track gefolgt und wurden so ein Stück weiter durch ein Waldstück geführt – dieser Weg ist nicht ausgebaut und eher ein Trampelpfad statt ein Radweg. Der ausgeschilderte Weg ist auch etwa 400m kürzer und besser ausgebaut.

Kurz darauf werdet ihr an der „Jagdbrücke“ ankommen. Dort könnt ihr die Aussicht auf die Mulde genießen, im Wasser wirklich dicke Fische (Forellen?) sehen und nebenbei ein Döschen finden.

Blick von der Jagdbrücke auf die Mulde

Blick von der Jagdbrücke auf die Mulde

Der Weg führt anschließend schnurgerade weiter durch die reizvolle Muldenaue. Einfach eine herrliche Landschaft, die man nur genießen kann. Bevor der Weg einen Bogen nach rechts macht, könnt ihr nochmal einen kurzen Umweg zu einem versteckten Döschen machen, in dem ihr einfach ein Stück geradeaus bis zur Brücke fahrt.

Die Terrainwertung für dieses Döschen liegt laut Owner zwar bei drei Sternen, aber im drei Sterne-Bereich konnten wir leider nichts finden. Ich vermute mal, man benötigt beim derzeitigen Wasserpegel eher eine T5-Ausrüstung. Caches am Wasser sind immer so eine Sache… ich brach die Suche sicherheitshalber ab, schließlich hatten wir noch ein hübsches Stück Strecke vor uns und Wechselsachen auf’m Rad mitschleppen muß man ja nicht unbedingt ;-).

Aber auch ohne Fund lohnt sich der kleine Umweg. Man genießt dann einfach den Ausblick…

Die Tour geht dann weiter in Richtung „Forsthaus Leiner Berg“ und wer bis hierhin schon Bedarf hat, kann sich dort stärken. Wir waren noch nicht soweit und fuhren mit Schwung vorbei :-).

Schöne Aussicht 1

Kein Fund, aber eine schöne Aussicht

Schöne Aussicht 2

Schöne Aussicht 2

Kurz bevor der Sieglitzer Berg in Sichtweite kommt, lohnt sich auch noch ein etwa 300m langer Abstecher (einfache Strecke) nach links zum Großen Hakenloch. Naja, groß isses nicht wirklich, aber dafür „verdost“ und einfach wunderschön! Nehmt dazu einfach den Weg links vor den zwei Säulen auf dem Deich.

Am Großen Hakenloch

Dosensuche in wunderbarer Naturidylle am Großen Hakenloch

Die Strecke verläuft nun ein Stück auf dem Deich parallel zur Elbe. Auch hier gibt es wieder interessante Sachen aus vergangenen Zeiten zu bewundern.

Umleitung kurz vor Vockerode

Historisches Bauwerk am Weg


Wenn ihr dieses Bauwerk passiert habt, gelangt ihr kurz darauf an eine Stelle, an der der Radweg (eigentlich) gesperrt ist und eine Umleitung eingerichtet ist. Wir sind die Umleitung gefahren, aber als wir ein paar Fotos gemacht haben, kamen uns Radfahrer aus der anderen Richtung entgegen. Vermutlich ist der Weg auf dem Deich wegen des kaputten Belags gesperrt – der löst sich nämlich an vielen Stellen buchstäblich auf und hinterlässt nur sandige Schlaglöcher.

Der Weg biegt vor den beiden Statuen rechts ab und führt weiter in Richtung Vockerode. An dieser Stelle könnt ihr aber trotzdem erstmal kurz innehalten und eine Aussicht genießen, die ihr sonst wahrscheinlich nur vom Vorbeifahren auf der Autobahn kennt…

Panoramablick auf die A9 und Vockerode. Dieser Abschnitt des Weges ist zurzeit gesperrt.

Weiter geht es auf der ausgeschilderten Umleitungsstrecke in Richtung Vockerode. Dort kann der aufmerksame Leser einen Knick in der Trackaufzeichnung sehen. Grund dafür ist, wie könnte es anders sein, ein verstecktes Döschen. Der Name des Caches war für uns Programm. Immerhin war es nun schon Mittag und es machte sich ein leichtes Knurren im Magen breit…
Also hieß es ein schönes Plätzchen für eine Pause suchen. Da der Cachename, wie schon geschrieben, auf ein hübsches Pausenplätzchen hinwies, verließen wir die ausgeschilderte Umleitungsstrecke und unsere Erwartungen wurden voll erfüllt. Hübscher Cache, schöne Aussicht und dazu lecker Proviant aus dem Rucksack. Was will man mehr…

Auf der Umleitungsstrecke unterwegs

Have a break... Pause mit Aussicht

Zum Glück hatten wir unsere Pause gerade beendet, als auf dem eigentlich gesperrten Weg eine riesengroße Gruppe Radler auftauchte. Da wir keine Lust hatten, vielleicht hinter dieser Gruppe herfahren zu müssen, schnappten wir uns unsere Tretmobile und sahen zu, dass wir weg kamen…

Was ich vergaß: Vor der Pause gab es auch noch die Chance, eine Dose in echtem LP-Gelände zu finden. Allerdings ist die Dose wohl ziemlich gut versteckt und unser Zeitrahmen und die für LPs ungeeignete Anzugsordnung ließ mich die Suche nach einiger Zeit abbrechen.
Wir folgten dem Weg weiter durch Vockerode in Richtung Wörlitz. Auch hier gibt es wieder viel sehenswerte Landschaft links und rechts des Weges. Nach etwa sechs Kilometern erreicht man den berühmten Wörlitzer Park. Wer mag, kann hier noch eine Tour durch den Park machen – allerdings nur zu Fuß. Radfahren ist dort sinnvollerweise nicht gestattet. Den Park haben wir diesmal nicht besucht, wir waren schon sehr oft dort und wollten lieber sehen, was es sonst unterwegs an Sehenswürdigkeiten gibt.

An dieser Stelle gab es auch die schon erwähnte Abweichung des von mir von GPSies.com herunter geladenen Tracks. Dieser verläuft ab hier nämlich südlich der Elbe, während der offizielle Weg von Wörlitz weiter in Richtung Coswig(Anhalt) führt.

Wir folgten der „orginalen“ beschilderten Route und haben das nicht bereut. Nach dem Wörlitzer Park führt der Weg auf teilweise kilometerlangen Strecken schnurgeradeaus, bis man plötzlich wieder an der Elbe ist.

Und dort geht es nur auf dem Wasserweg per Gierfähre weiter. Bevor es aber soweit war, legten wir eine längere Mittagspause in der „Elbterrasse Wörlitzer Winkel“ ein. Dort gibt es lecker Essen und Trinken zu annehmbaren Preisen mit super Aussicht auf die Elbe und ihre Fähre.

Elbfähre Coswig

Elbfähre Coswig

Gut für eine Pause: Die Elbterrasse Wörlitzer Winkel

Frisch gestärkt ließen wir uns nun für einen Euro pro Person über die Elbe schippern. Und das ganz ohne Motorkraft. Auf der anderen Elbseite ging es dann an Coswig vorbei in Richtung Wittenberg.

Einen kleinen Nachteil hatte die Abweichung vom vorab gespeicherten Track nun aber doch. Erstens hieß es nun mehr auf die Beschilderung zu achten und zweitens fehlten jetzt die Dosenwegpunkte im GPS. Diese hatte ich nämlich anhand des Tracks in GSAK aus einer extra georderten PocketQuery gefiltert. Dabei hatte ich den Abstand, innerhalb dessen die Caches entlang der Route aufs GPS exportiert werden, auf 500m gesetzt. Wir waren jetzt aber deutlich weiter von der Route entfernt…

Zum Glück hatte ich während der Mittagspause auf dem Handy mal geschaut, was es in der Nähe zu finden gibt und hatte so wenigstens noch einen Wegpunkt gespeichert :-). Und das war gut so, denn sonst wären wir wahrscheinlich an einem tollen Aussichtspunkt einfach vorbei geradelt.


Schöne Aussicht an der Elbe bei Coswig

Schöne Aussicht an der Elbe bei Coswig

Ziel erreicht: Bahnhof Wittenberg

Ziel erreicht: Bahnhof Wittenberg

Der Rest der Strecke ist nun nicht mehr ganz so spektakulär. Wir auf längeren Strecken ungeübten Gelegenheitsradler spürten langsam aber sicher die ersten Ermüdungserscheinungen ;-). In Kleinwittenberg legten wir am Elbufer nochmal eine kleine Kaffeepause ein, denn schließlich wollten wir den Kaffee nicht ungetrunken wieder mit nach Hause schleppen…

Danach gings straff weiter in Richtung Wittenberg. Die Wittenberger Altstadt habe ich irgendwann in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts zum letzten Mal gesehen. Für eine längere Besichtigung waren wir aber beide zu geschafft und waren froh, als endlich der Bahnhof in Sicht kam.

Unsere Regionalbahn (früher sagte man einfach Personenzug) fuhr pünktlich ab und wir nutzten die Zeit, um unsere Akkus für den letzten Teil der Strecke wieder aufzuladen. Auf dem Heimweg fuhren wir nämlich nicht wieder bis zum Hauptbahnhof, sondern stiegen schon am Messegelände aus und radelten von dort nach Hause.

Fazit: Sehr empfehlenswerte Tour. Wir verbrachten einen wunderschönen Tag und kamen glücklich, aber ziemlich k.o. wieder zu Hause an.

Details zur Tour:

Streckenlänge Dessau-Wittenberg: ca. 42km

Abfahrt Leipzig Hbf: 9.11Uhr, Preis 10,70Euro pro Person (Normalpreis)
Ankunft Dessau Hbf: 10.09 Uhr

Rückfahrt Wittenberg: 16.45Uhr, Preis 11,70Euro pro Person (Normalpreis)
Ankunft Leipzig Hbf: 17.49Uhr

Die Fahrradmitnahme ist in den Regionalzügen in Sachsen im Verkehrsverbund des MDV und in ganz Sachsen-Anhalt kostenfrei möglich.

Track als GPX-Datei zum Download: Elberadweg Dessau-Wittenberg (Rechtsklick -> Speichern unter…)

Hier noch eine Karte mit den Dosen in bis zum 500m Entfernung vom Track. Weil das Cachen beim Radfahren ja „nur Nebensache“ ist, habe ich nur die Tradis am Wegrand exportiert.



Wie immer freue ich mich über eure Kommentare…

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